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Minimalismus und ADHS

Wie heißt es so schön: "Ordnung ist das halbe Leben."

Und für uns ADHS Menschen fühlt sich das auch oft so an. Als würde sich ein großer Teil der eigenen Lebenszeit um Ordnung drehen. 🙄 Buhh!!


Es scheint manchmal so, als ob das Chaos unser ständiger Begleiter ist und viel Zeit, Energie in unseren Leben und Raum in unseren Gedanken, einnimmt.


Denn eine der größten Herausforderungen für Menschen mit ADHS ist es nicht unbedingt Ordnung herzustellen, sondern diese zu halten.


Genau dabei kann ein minimalistischer Lebensstil unterstützen.


Fangen wir damit an zu klären was Minimalismus eigentlich ist...

 

Minimalismus ist im Kern ...


ein Lebensstil

eine gewählte, innere Einstellung,

eine Art sei Leben,

seinen Alltag zu gestalten.


Nach der Prämisse bewusst auf Dinge/Sachen/Besitz zu verzichten,

um Platz für das Wesentliche👌zu schaffen/haben.


Aber was ist eigentlich das Wesentliche? Gute Frage! Um die zu beantworten

schauen wir uns erstmal die "typischen" ADHS-Challenges an...

 

ADHS-Herausforderungen


1 Vergesslichkeit


Wir vergessen WO Dinge abgelegt wurden und wir vergessen, DAS wir bestimmte Dinge schon besitzen (Objektpermanenz wird das genannt oder salopp "aus dem Auge, aus dem Sinn").


Es kommt häufig dazu, dass wir Dinge suchen - das kostet Zeit & Energie

Es kommt auch nicht selten dazu, dass wir Dinge nochmals kaufen - das kostet Geld


2 Entscheidungsschwierigkeiten


Sachen mit viel Ähnlichkeit (z.B. bei Kleidung) machen uns Entscheidungen schwer, viele Alternativen verlängern Entscheidungsprozesse und hinterlassen oft das Gefühl von Unsicherheit.


Viele (ähnliche) Dinge zu besitzen führt zu längeren Entscheidungsprozessen- das kostet Zeit

Lange Entscheidungsprozesse hinterlassen ein unsicheres Gefühl - das kostet Energie & Selbstwert

3 Impulsives Kaufverhalten


Unser ADHS Gehirn liiiieeeeebt "shiny Objects" und schnelle Belohnung. Beim passiven Shopping, also dem Einkaufen ohne konkretes Kauf Ziel, findet das ADHS Gehirn 100%tig einige nette Dinge "die man mal gebrauchen könnte" 😉


Klar was jetzt kommt...das kostet Geld, aber auch Selbstwert. Wenn z.B. daheim gemerkt wird, dass etwas gekauft wurde, was schon da ist. hmmppf...

4 Offene Loops


Unser kreatives, ideenreiches Gehirn erschwert es uns, sich von Dingen zu trennen, denn "daraus könnte man ja noch etwas machen" 🥳 (i feel you!!!) Mir fallen auch 100 Möglichkeiten, in 3 Sekunden ein, was man aus dem Einen oder anderen Teil noch machen könnte. Doch "Budder bei die Fisch" es bleibt i.d.R. nur bei der Idee.


Doof ist nur, dass unser Gehirn nun einen (oder mehrere) "offenen Loops"= unerledigte Aufgaben, im Hinterkopf hat. Was dazu führt, dass jedes Mal (auch unbewusst) wenn wir das eine oder andere Teil ansehen, diese unerledigte Aufgabe im gedanklichen Hintergrund "aufploppt". Du kennst sicher diesen Gedanken "Ach ja...damit wollte ich ja mal...dies oder das machen" 🙇‍♀️


Diese Ideen wirken auf unser Gehirn wie unerledigte Aufgaben (offene Loops) - sie kosten sehr viel Energie, blockieren mentale Kapazitäten und können auch negativ auf das Selbstwert wirken.


 

Was denkst Du, nach dem Du das gelesen hast?

Welche wesentlichen Dinge finden,

durch einen eher minimalistischen Lebensstil,

mehr Platz?


Ich möchte Dir hier folgende Vorschläge machen....


🔋 unsere körperliche und mentale Energie

😌 unser Wohlbefinden/Selbstwert

⌚ unsere Zeit

💶 und auch unsere finanziellen Ressourcen .


Es gilt also herauszufinden, welche Dinge Deinem Leben zuträglich sind und welche es eher erschweren.

 

Ein ADHS freundlicher, minimalistischer Lebensstil ist .... 😌


wenn Du weißt,


WAS Du hast,


WO es ist,


WANN Du es verwendest und


WIE Du damit umgehen

musst.


Er hilft Dir Dein Leben, vor allem Alltagsabläufe strukturierter & einfacher zu machen.


Deinen Lebensraum so zu gestalten, dass er sich Deinen Bedürfnissen anpasst.


Dir ein Umfeld zu schaffen, dass Dir (auch gedanklichen) Freiraum schafft, statt zur ständigen Aufgaben zu werden.


Weniger besitzen, bedeutet auch weniger Entscheidungen treffen zu müssen.


Äußere Ordnung hilft auch innere Ordnung zu fühlen.



"Das kling alles super, aber wie mache ich das? Wie komme ich zu einem minimalistischen Lebensstil?" ... fragts Du dich jetzt vllt... Hier kommen ein paar Anregungen...

 

Wie gelingt ein minimalistischer Lebensstil

(mit ADHS)?


Die Annahme liegt nahe, alles mal gründlich ausmisten zu müssen und das am besten in einer "Hauruck" Aktion.


Vermutlich hast Du es auch schon mal gemacht, soooo richtig ausgemistet!


(Mehrmals angefangen, "tabula rasa" zu machen, hast Du aber ganz sicher. Darauf würde ich wetten! 😉😎 )


Und dann hat sich irgendwie doch wieder Vieles angesammelt? Oder die Kisten, mit den aussortierten Sachen, haben es nur bis in den Keller, doch nicht durch die Haustür raus, geschafft?


Kenn ich! Sehr gut sogar! 🙋‍♀️


Zwei ADHS-Denkfallen kommen uns da nämlich in die Quere und zwar das

- "ganz oder gar nicht" bzw. "jetzt oder nie" Denken und die eher

- schlechte Einschätzungsfähigkeit wie viel Zeit und Aufwand bestimmte Vorhaben benötigen. Deshalb enden die ambitionierten Ausmistaktionen von uns ADHS-Menschen oft abrupt, mittendrin (Dopamin ist "leer") und in eher genervter Stimmung. 🤬


Die Mischung aus den Gefühlen Stolz, denn "ich hab etwas geschafft", Enttäuschung, weil oft noch ein Haufen zurück bleibt und Erschöpfung, kann dann dazu führen, dass wir uns erstmal eine gaaanze Zeit nicht mehr mit unserem "Kram" beschäftigen (wollen).


Deshalb sind spontane "alles muss raus" Aktionen leider nicht gut geeignet, um langfristig eine Veränderung zu erzielen.


 

Der Schlüssel zu einem minimalistischen Lebensstil liegt:


- in kleinen Schritten,

- aktiver Auseinandersetzung mit dem

was Du hast,

was Du brauchst,

wie, wann und wo Du es benutzt und

- in der Kontinuität.


 

"Hahaha!😅"Hör ich Dich grad laut lachen. "Mit ADHS klappt Kontinuität leider nicht sooo gut." Denkst Du bestimmt. Und Du hast Recht, es ist zwar nicht unsere leichteste Übung, aber mit ein paar Tricks klappt das. Glaub mir! :)


 

Hier kommen ein paar Tipps für Deinen Weg zu einem ADHS freundlichen, minimalistischen Lebensstil:


Merke: Es ist ein Prozess, keine Aktion.


Deine innere Haltung


Entspann Dich.✌️ Ordnung, Struktur, Haushalt sind alles Worte und Themen die schon beim lesen oder nur dran denken, schnell zu Anspannung und innerem Druck führen. Aber darum geht es beim Minimalismus erstmal nicht. So seltsam es jetzt vllt. für Dich klingt, aber Ordnung (und diese halten zu können) ist das automatische Ergebnis aus dem Prozess.

Es geht darum, dass Du Dich neugierig und offen mit Deinem Umfeld und den Dingen Deines Alltags auseinander setzt. No goal, just exploring.


Du hast Zeit! (auch wenn Dir Dein ADHS Gehirn gerade etwas anderes sagt ;)

Denn was lange bleiben soll, darf langsam entstehen.


Erlaube Dir Du zu sein, es für Deine Bedürfnisse passend zu machen. Auch das Wort Minimalismus lässt in unseren Köpfen häufig Bilder aus Hochglanzzeitschriften oder schicken Instagram-Profilen erscheinen. Bitte denke daran, dass diese Bilder inszeniert sind, so lebt kein Mensch 24/7 im Alltag. Zum Glück! ;) Es gilt herauszufinden, wie Du Dein Umfeld (dein zu Hause) so gestalten kannst, dass es Dir dienlich ist.



Dein Vorgehen


Mach es Dir einfach! Ein Ziel des minimalistischen Lebensstils ist es ja, mehr Leichtigkeit in das eigene Leben zu bringen und der Weg dorthin darf es auch sein, easy! 😊


Du darfst unstrukturiert vorgehen! Sei nachsichtig mit Deinem ADHS-Gehirn, damit es mitspielt braucht es Abwechslung. Lieber mehrere kleine Baustellen, als eine Große die dann unüberwindlich erscheint. Neugier und Spaß stehen auf dem Weg im Vordergrund und eben nicht sich in eine vorgegebene "Form" zu pressen.


Nutze Unterstützungsangebote. Du fühlst Dich vllt. allein, es fällt Dir schwer dran zu bleiben und manchmal siehst Du den Wald vor lauter Bäumen nicht? So geht es Vielen!! Es ist total ok und hilfreich sich Unterstützung von außen zu holen.

Zum Beispiel durch:


  • Body Doubling hat sich z.B. für uns ADHS-Menschen sehr bewährt, denn es bietet:

- feste Zeiten / Struktur

- Motivation & Verbindlichkeit

- Kontinuität

- zusammen mit Anderen aktiv sein


Hier geht`s zum Body Doubling Monatspaket:




 

  • Coaching

Im eigenen Haushalt ist fast jeder Mensch "betriebsblind" und erkennt nicht mehr welche Möglichkeiten vorhanden. Ein neutraler und geschulter Blick, von außen kann da so manchen Denkknoten lösen und den eigenen Blick erfrischen. 😉 Lass uns da gern persönlich genauen darüber sprechen..


Hier geht es zum kostenlosen Kennenlerngespräch:



 

Alternativen zur Mülltonne


Gerade der Gedanke "das ist doch noch gut" hält uns davon ab und von Dingen zu trennen. Und es ist super, wenn auch Du diesen Gedanken hast, denn es zeigt, dass Du die Dinge zu schätzen weißt! Gerade deshalb ist es schade, wenn diese Dinge "die noch gut sind / mit denen man noch etwas machen könnte" ungenutzt blieben, wenn sich doch ein Anderer Mensch daran erfreuen könnte.


Das könntest Du mit aussortierten Sachen machen:

  • Gib deine Sachen in soziale Einrichtungen, zu Oxfam (Kleidung)

  • oder in einen Secondhandladen (gibt es nun auch online z.B. www.momoxfashion.de

  • Stell deine Bücher in öffentliche Bücherregale oder verkaufe sie auf www.momox.de

  • Verschenke deine Sachen über Facebook-Gruppen wie “Verschenks” "free your stuff"

  • Entsorge Elektroschrott kostenlos bei Mediamarkt

  • stell Deine aussortierten (noch brauchbaren!) Sachen mit einem "zu verschenken" Schild vor deine Haustür :)


 

Ich wünsche Dir ganz viel Freude auf Deinem Weg hin zu einem minimalistischeren Lebensstil! Es lohnt sich, glaub mir! Seit ca. 10 Jahren ist Minimalismus nun eine wichtige Grundlage meines Alltags und hilf mir mein Leben ADHS freundlicher zu führen!


Melde Dich gern zu einen kostenlosen Gespräch an, wenn Du wissen möchtest, wie ich Dich dabei unterstützen könnte.

Hier geht´s zu den freien Terminen -> ADHS Coaching | Spektrumfrau


Liebe Grüße, Deine Anja














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